24. März 2021

Kontroverse Diskussion über Get steps

Foto: GetSteps

Der Auftritt der Gründer des Internet-Einlagenanbieters Get Steps in der Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ hat in der Branche für viele Diskussionen gesorgt. Auch wenn die beiden Gründer in der Sendung keine Investoren fanden, fürchten doch viele künftig eine Konkurrenz durch Einlagenanbieter im Internet.

Get Steps bietet Einlagen direkt und nur über das Internet an. Die Herstellung erfolgt dabei handwerklich auf der Basis eines Trittspurabdruckes, den die Kunden zu Hause selber anfertigen. In der Sendung vom 22. März 2021 boten Annik Wolf und Vincent Hoursch, die Get steps 2019 in Berlin gründeten, den Investoren einen Anteil von 10 Prozent an ihrem Unternehmen an. 500 000 Euro riefen sie dafür auf, was darauf schließen ließ, dass sie selbst den Wert ihres Start up bereits mit fünf Millionen Euro bewerteten.

Laut den beiden Gründern ist der Weg zur individuellen Einlage bislang kompliziert und zeitaufwändig. Sie würden den Weg vereinfachen und ihre Einlagen zur Lifestyle-Marke ausbauen. Die Idee, orthopädische Einlagen, handwerklich gefertigt von Orthopädieschuhmachern, komplett über das Internet zu vertreiben, fanden die meisten Investoren zwar interessant. Letztlich konnten die Gründer jedoch keinen der Investoren überzeugen, in die Firma mit einzusteigen.

Hierzu nannten die Investoren verschiedene Gründe. Am häufigsten wurde das Missverhältnis zwischen dem in der Sendung genannten Umsatz von erst 50 000 Euro und der Bewertung des eigenen Firmenwertes genannt. Die Ankündigung, dass man in zwei Jahren bereits 50 bis 100 Millionen umsetzen wolle, half hier auch nicht weiter, sondern sorgte eher für ungläubiges Staunen bei den Investoren. Keiner konnte sich ein derart rasantes Wachstum vorstellen. Einem Inverstor war das Unternehmen auch zu wenig digital aufgestellt, da das Geschäft zwar digital abgewickelt wird, die Herstellung aber noch ganz analog auf einem Trittspurabdruck basiert, der per Post versendet wird.

Nach einem Bericht des Internetportals „businessinsider.de“ scheint die Sendung schon im vergangenen Jahr aufgezeichnet worden zu sein. Das Portal vermeldet, die beiden Gründer hätten im Herbst 2020 – einige Monate nach Aufzeichnung der Sendung – doch noch eine Finanzierung eingesammelt. Das Kölner VC STS Ventures habe sich an Get Steps beteiligt, offenbar zu der Bewertung, wie sie in der Sendung aufgerufen wurde. Bereits vor dem Auftritt in „Höhle der Löwen“ hat Get Steps laut Businessinsider über eine Million Euro an Kapital eingesammelt. Der Umsatz liegt laut dem Bericht bereits deutlich über dem in der Sendung genannten Betrag.

Nach einem Bericht der Berliner Morgenpost vom 1. März 2021 hat sich Get steps inzwischen vergrößert und zusätzliche Räume angemietet. Die Mitarbeiterzahl ist laut dem Bericht auf 20 angestiegen.

Der Auftritt der beiden Firmengründer wurde offenbar sehr aufmerksam in der Branche verfolgt, wie Nachfragen bei einigen Innungen zeigen. Von vielen Betriebsinhabern werden Unternehmen, die rein über das Internet vertreiben, als Bedrohung des klassischen Handwerks wahrgenommen. Einen wesentlichen Kritikpunkt an dem System hatte eine Investorin in der Sendung bereits formuliert: Der Arzt müsse doch feststellen, was das Problem des Patienten ist. Erst dann wisse man, wie die Einlage aussehen muss. Das könne der Kunde doch nicht alleine.

Auch in den sozialen Medien hat die Ausstrahlung der Sendung am Montag eine Diskussion ausgelöst. Die Reaktionen dazu fallen ganz unterschiedlich aus. Viele OSM sehen darin durchaus eine Bedrohung für die Branche, wenn Einlagen einfach über das Internet bestellt werden. Es ist aber auch zu lesen, Get Steps sei keine Konkurrenz für Betriebe, die mit einem individuellen, innovativen Konzept, kompetenter Beratung und mit Liebe zum Handwerk und den Menschen in der Lage sind, dem Kunden einen Mehrwert zu bieten. Es liege an den OSM selbst, mit persönlicher Beratung und qualitativen Produkten zu überzeugen. Bei aller Kritik gibt es durchaus anerkennende Stimmen zu Get Steps, speziell zum Marketing der Berliner Gründer.