30. März 2021

Schuhindustrie verzeichnet deutlichen Umsatzrückgang

Carl-August Seibel (l.) und Manfred Junkert. (Fotos: HDS/L)

Anzeige

Aufgrund der Corona-Pandemie hat die deutsche Schuhindustrie im Jahr 2020 einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnet. Das teilt der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) mit. Besonders die Hersteller im modischen Bereich sind betroffen.

Die Verkaufserlöse der deutschen Schuhindustrie sind aufgrund der Corona-Pandemie stark rückläufig. Der Umsatz der deutschen Schuhhersteller mit 50 oder mehr Beschäftigten ist in 2020 im Vergleich zu 2019 von 3,1 auf 2,8 Milliarden Euro gesunken, teilt der HDS/L mit. Dies entspreche einem Rückgang um 8,4 Prozent. Rund 80 Prozent des Umsatzes sei im Inland erlöst worden. Mit 2,4 Milliarden Euro sei der Inlandsumsatz in 2020 8,6 Prozent niedriger als im Vorjahr gewesen. Wie der Inlandsmarkt seien auch die Auslandsmärkte von der Corona-Pandemie stark betroffen, weshalb auch hier die Absätze für die Schuhhersteller zurückgegangen sind.

„Bei den modischen Schuhherstellern gab es einen nie dagewesenen Umsatzeinbruch von über 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Carl-Aufgust Seibel, Vorsitzender des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie e.V. Dank des Kurzarbeitergeldes habe sich die Pandemie auf die Beschäftigung noch nicht so stark ausgewirkt. Die Zahl der in Deutschland Beschäftigten sei um 3,1 Prozent auf 15.500 zurückgegangen. 

Auch bei den deutschen Lederwaren- und Kofferherstellern sind die Umsätze in 2020 im Vergleich zu 2019 eingebrochen durch die Schließungen des stationären Fachhandels, aber auch durch den Einbruch der Reiseaktivitäten. Gegenüber 2019 ist der Umsatz der deutschen Schuh- und Lederwarenindustrie laut HDS/L um 22,2 Prozent gesunken.

Rund die Hälfte der Schuh-, Lederwaren- und Modegeschäfte werde die Krise nach Angaben des Handels nicht überstehen – mit dramatischen Folgen für die Hersteller von Schuhen, Lederwaren und Koffern, befürchtet Seibel. „Wer keine Mode im Laden mehr verkaufen darf, bestellt auch keine neue, was für die Hersteller bereits jetzt Folgen bis weit ins nächste Jahr hat. Außerdem tragen oftmals allein die Hersteller das Absatzrisiko. Dennoch schließt die Bundesregierung die heimischen Hersteller von den Überbrückungshilfen bei Saisonware und der steuerlichen Begünstigung von Kleider- und Schuhspenden aus. Wir fordern die Bundesregierung auf, angesichts der beschlossenen Lockdown-Verlängerung bis 18. April die Schuh-, Lederwaren- und Modehersteller bei den Überbrückungshilfen III dem Einzelhandel gleichzustellen“.

Weniger Exporte und Importe
Im vergangenen Jahr wurden laut HDS/L 293,9 Millionen Paar Schuhe mit einem Gesamtwert von 6,8 Milliarden Euro aus Deutschland ausgeführt. Im Vergleich zu 2019 entspricht dies einem Rückgang um ein Siebtel in der exportierten Paarzahl. Der Wert der ausgeführten Schuhe sei um 10,8 Prozent von 7,6 auf 6,8 Milliarden Euro zurückgegangen.
In 2020 sind zudem 14 Prozent weniger Schuhe importiert worden als in 2019. Die importierte Paarzahl ist von 739,6 auf 636,0 Millionen Paar gefallen, so der HDS/L. Der Wert der importierten Schuhe sei gleichzeitig um 7,3 Prozent von 10,8 auf 10,0 Milliarden Euro gesunken. Die Engpässe bei den Transportmöglichkeiten führen zu höheren Transportkosten. Der Durchschnittspreis der in Deutschland eingeführten Schuhe habe sich demzufolge in 2020 um 7,8 Prozent auf 15,77 Euro erhöht. In 2019 betrug der Durchschnittspreis eines importierten Paars Schuhe 14,63 Euro.

Auch 2021 ein „äußerst herausforderndes Jahr“
„Die in der Corona-Pandemie vorgenommenen behördlichen Maßnahmen wie die Schließung der stationären Verkaufsstellen des Fachhandels bedeutet für die deutschen Schuhhersteller den Wegfall des wichtigsten Vertriebskanals. In der HDS/L Konjunkturumfrage beurteilen zwei Drittel der deutschen Schuhhersteller die aktuelle Auftragslage in den vergangenen drei Monaten als schlecht und berichten dementsprechend von einer sehr schlechten Umsatzentwicklung in diesem Zeitraum“, so Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie e.V.

„Die deutsche Schuh- und Lederwarenindustrie erwartet nach drastischen Einbußen im vergangenen Jahr auch für 2021 ein äußerst herausforderndes Jahr. Lockdown und fehlende internationale Planbarkeit machen die Geschäfte aus Sicht der Schuh- und Lederwarenhersteller schwer“, meint Carl-August Seibel. Online-Handel und Angebote wie „Click & Collect“ könnten die zu erwartenden Umsatzeinbußen nicht ansatzweise kompensieren. Erfreulicherweise gebe es mit dem Kinderschuh-, dem Sicherheitsschuh-, dem Sportschuh- und dem Orthopädiebereich oder Outdoorrucksäcke einige Segmente, die bisher ganz gut durch die Corona-Zeiten kommen. Für die Hersteller im modischen Bereich sei allerdings schon jetzt klar, dass sie weitere zwölf Monate in dieser Form nicht durchstehen würden.