28. April 2021

HDE: "Impfgipfel bleibt hinter Erwartungen zurück"

Foto: Freedomz/AdobeStock

Der Handelsverband Deutschland (HDE) ist von dem Impfgipfel, den Bund und Länder am 26. April durchführten, enttäuscht. Nach Auffassung des HDE hätte der Impfgipfel eine klare Richtung vorgeben und eine flächendeckende Öffnung der Geschäfte ermöglichen müssen. Angesichts der Notlage vieler Händler mahnt der HDE zudem eine schnellere Auszahlung und eine Aufstockung der staatlichen Wirtschaftshilfen an.

„Ohne Ergebnisse bleibt der Impfgipfel eine herbe Enttäuschung. Er lässt den Handel mit offenen Fragen und großer Verunsicherung zurück“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Dass dringend notwendige Entscheidungen aufgeschoben würden, sei nicht nachvollziehbar. Die Händler bräuchten schnellstmöglich eine klare Perspektive. „Jetzt gilt es, zügig die Rahmenbedingungen für eine flächendeckende Öffnung des Handels festzulegen und die nächsten Schritte zu definieren“, fordert Genth.

Ansetzen müsse man an mehreren Stellen. „Händler müssen wissen, wie sie mit geimpften Kunden umgehen sollen. Hierfür braucht es einheitliche Regeln und eine umsetzbare Kontrollmöglichkeit, etwa durch einen digitalen Impfpass“, betont Genth. Darüber hinaus komme es darauf an, das Impftempo zu erhöhen. „Hier können Betriebsärzte eine bedeutende Rolle spielen. Sie müssen baldmöglichst Teil der Impfkampagne werden.“ Für die Händler zähle jeder Tag. Daher dürften sich die Beratungen von Bund und Ländern nicht über Wochen hinziehen.

Auszahlung der Wirtschaftshilfen verläuft schleppend
Der HDE weist zudem darauf hin, dass viele Handelsunternehmen bis heute auf die Auszahlung der Wirtschaftshilfen warten."Dabei sind sie unmittelbar und außergewöhnlich schwer von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie betroffen“, erklärt Genth. Wie eine aktuelle Umfrage des HDE unter mehr als 750 Unternehmen ergab, warten 68 Prozent der Händler noch darauf, dass die beantragten Hilfen voll ausgezahlt werden. Bei 60 Prozent der befragten Unternehmen lag die Auszahlungsquote bei unter 50 Prozent. Über 60 Prozent der Bekleidungs- und Textilhändler sehen laut der Umfrage ihre Existenz in akuter Gefahr. Sie fürchten, ihr Geschäft noch in diesem Jahr aufgeben zu müssen. Diese Sorge besteht auch bei mehr als der Hälfte der befragten Schuh- und Lederwarenhändler. „Die monatelangen Einschränkungen zehren an den Händlern. Die Lage im Nicht-Lebensmittelhandel ist extrem angespannt“, sagt Stefan Genth. Daher müsse unbedingt Tempo in die Auszahlung der Hilfen kommen. 

Mit Blick auf den anhaltenden Lockdown hält der HDE darüber hinaus eine Aufstockung der Hilfen für den Einzelhandel für gerechtfertigt. „Gerade größere mittelständische Händler können innerhalb des aktuell bestehenden Beihilferahmens nur Teile ihrer Fixkosten decken. Hier müssen die Wirtschaftshilfen angepasst werden“, so Genth. Notwendig sei eine Anhebung des Maximalbetrags der Beihilfe von derzeit zehn Millionen Euro pro Unternehmen auf 70 Millionen Euro. Zudem müsse die monatliche Höchstgrenze für Hilfen von 1,5 Millionen Euro pro Unternehmen auf drei Millionen Euro angehoben werden. „Wird an den bestehenden Obergrenzen festgehalten, können viele betroffene Unternehmen die entstandenen Schäden nicht kompensieren“, resümiert der HDE-Hauptgeschäftsführer.