23. Juni 2021

Sachverständiger Gerlach: Zustimmungsverfahren für die elektronische Patientenakte zu kompliziert

Foto: MQ-Illustrations/AdobeStock

Anzeige

Die Chancen der Digitalisierung müssen nach Ansicht des Gesundheitsforschers Ferdinand Gerlach stärker genutzt werden. So sei das für die elektronische Patientenakte (ePA) vorgesehene Zustimmungsverfahren, das aus Datenschutzgründen vorgesehen ist, zu kompliziert und zu umständlich, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen im Gesundheitsausschuss des Bundestages. Dies berichtet der Nachrichtendienst hib - heute im Bundestag am 23. Juni.

Gerlach warnte, die immer neuen erforderlichen Zustimmungen gefährdeten die Umsetzung des Projektes. Das könne dazu führen, dass die ePA im Alltag nicht funktioniere. Die Daten seien dann zwar sicher, aber das System nicht praktikabel. Der Mediziner forderte eine radikale Vereinfachung, wobei die Widerspruchsmöglichkeiten erhalten bleiben sollten. Auch die Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke müsse grundsätzlich möglich sein.

Gerlach verwies auf Erfahrungen aus Frankreich, wo eine elektronische Patientenakte 2006 mit einem ähnlich strengen Zugriffsmanagement eingeführt worden sei und in der Bevölkerung keine Akzeptanz gefunden habe. Das System sei dann viele Jahre später umgestellt worden.

Gerlach sprach sich für ein Gesundheitsdatennutzungsgesetz aus, um einheitliche Regelungen zu schaffen. Das jetzige Nebeneinander vieler Datenschutzbehörden sei nicht hilfreich. Er mahnte, nur wenn Patienten und Leistungserbringer bei digitalen Anwendungen einen konkreten Nutzen erführen, werde die Digitalisierung die nötige Akzeptanz erfahren und erfolgreich sein.