28. Juli 2021

BVMed legt 12-Punkte-Plan zur Umsetzung der Nationalen Diabetesstrategie vor

Foto: Andrey Popov/fotolia

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Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat einen 12-Punkte-Plan zur Umsetzung der Nationalen Diabetesstrategie vorgelegt. Er fordert unter anderem die Einführung eines nationalen Diabetes-Registers, ein Diabetes-Screening bei Vorsorgeuntersuchungen sowie die Einrichtung von Lehrstühlen für Diabetes zur Stärkung der technologiebasierten Diabetestherapie. Der BVMed spricht sich zudem für die Aufnahme von telemedizinischen Diabetes-Behandlungen in den EBM-Katalog und die DMP-Programme aus. Die Rolle der nicht-ärztlichen Leistungserbringer sollte gestärkt und das Potenzial der ärztlich delegierbaren Leistungen ausgebaut werden, so der Verband. 

„In der kommenden Legislaturperiode muss die 2020 beschlossene Nationale Diabetesstrategie mit Leben gefüllt und konsequent umgesetzt werden. Dabei müssen die bisherigen Anstrengungen mit dem Fokus auf einen ganzheitlichen Lösungsansatz weiterentwickelt und miteinander vernetzt werden. Schließlich hat Diabetes Berührungspunkte zu allen Lebenswelten. Deshalb müssen in der Gesundheitsversorgung eine Vielzahl von Leistungserbringern beteiligt werden“, sagt BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll.

In seinem 12-Punkte-Plan zur Umsetzung der Nationalen Diabetesstrategie fordert der BVMed:

1. Diabetes ganzheitlich denken | Interprofessionell versorgen und Netzwerke stärken
Die interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit aus ärztlichen und zu stärkenden nicht-ärztlichen Leistungserbringern in der Diabetestherapie muss weiterentwickelt werden, so der BVMed. Zentral hierfür seien funktionierende Netzwerkstrukturen, die flächendeckend benötigt werden und Versorgung ganzheitlich denken. Dabei sei auch die Rolle der nicht-ärztlichen Leistungserbringer zu stärken und das Potenzial der ärztlich delegierbaren Leistungen auszubauen.

2. Diabetesversorgung | Auch stationär stärken
Zur Stärkung der Diabetesdiagnostik und -therapie im stationären Setting müssen aus Sicht des BVMed angemessene strukturelle Anpassungen vorgenommen werden. Voraussetzung hierfür seien eine adäquate Qualifikation in der Diabetestherapie, die Intensivierung innerklinischer Vernetzung der versorgenden Akteure miteinander bzw. mit den Diabetologie-Experten und ein geeignetes Entlassmanagement für den Übergang in die ambulante Diabetesstrategie.

3. Qualifikation | Durch adäquate Grund- und Fachausbildung stärken
Die Stärkung der Diabetes-Versorgung setze die Weiterentwicklung der Qualifikation voraus: Die Intensivierung der Diabetestherapie in der Grund- sowie Fachausbildung des ärztlichen und nicht-ärztlichen Personals sei hierfür ebenso unabdingbar wie die Stärkung der Kompetenzen in der technologiebasierten Diabetestherapie. Dies könnte laut BVMed durch den Aufbau entsprechender Lehrstühle für Diabetes und die Weiterentwicklung der Curricula der Fachärzteausbildung erfolgen.

4. Disease-Management-Programme (DMP) Diabetes | Versorgungsnetzwerke flächendeckend etablieren
Zugang und Vergütung der wesentlichen Diabetestherapieformen im Rahmen der DMP-Verträge müssen unter Einbindung neuer und wissenschaftlich anerkannter Therapieformen (bspw. auch mit digitalen Elementen) vereinheitlicht werden, so der Medizintechnik-Verband.

5. Frühe Diabetes-Screenings und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen | Prävention stärken
Zur Feststellung eines individuellen Diabetesrisikos seien regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen per Diabetes-Screening für Kinder im Rahmen der U-Untersuchungen, Kinder und Jugendliche in der Transition und Erwachsene durch Analyse des Risikoprofils sowie abgestimmte Frequenzen der Vorsorgeuntersuchungen unabdingbar.

6. Adipositas | Therapieangebot auf- und ausbauen
Zur Sicherung des individuellen Therapieerfolgs sei ein ganzheitlicher Behandlungsansatz erforderlich, dem die Verankerung regelhafter Adipositastherapien im gesetzlichen Leistungskatalog und der Aufbau ausreichender Fort- und Weiterbildungskapazitäten in diesem Bereich zugrunde liegen.

7. Zeitgemäße Diabetestechnologien | Diabetes (Selbst-)Management stärken
Zur Stärkung der eigenen Gesundheitskompetenz und Optimierung der Fähigkeit des Selbstmanagements müsse der Zugang zu modernen Diabetestechnologien durch den Einsatz u.a. sensorbasierter kontinuierlicher Glukosemesssysteme gewährleistet sein. Die hierbei verfügbar gemachten Gesundheitsdaten müssen auch in die elektronische Patientenakte übertragen werden können, fordert der BVMed.

8. Innovationen | Zeitnahen Zugang ermöglichen
Um den zeitnahen Zugang zu modernen Diabetestechnologien zu gewähren, müssten neuartige Produkte oder Produkte mit Softwarekomponenten plausibel in die Struktur des Hilfsmittelverzeichnisses eingeordnet werden können, erklärt der BVMed. In der Praxis zeige sich, dass die aktuellen Prozesse hierfür nicht geeignet seien. Um verlässliche, verbindliche und transparente Verfahren bei der Aufnahme von Produkten in den Erstattungskatalog zu schaffen, seien Konkretisierungen im Antragsverfahren sowie im NUB-Kontext und entsprechende Anpassungen der Verfahrensordnung zum Hilfsmittelverzeichnis erforderlich.

9. Telemedizin | Vernetzung und Therapieverbesserung ermöglichen
Telemedizinische Behandlungen seien als elementarer Bestandteil der Diabetestherapie künftig unabdingbar, würden jedoch die Anerkennung dieser Behandlung im EBM-Katalog sowie in den DMP-Programmen und einheitliche, klare Datenschutzregelungen erfordern.

10. Begutachtung durch Medizinische Dienste | Harmonisierte Regelungen und Stärkung der Diabeteskompetenz
Neben der Definition bundesweit einheitlicher und zeitgemäßer Prüfkriterien für die Medizinischen Dienste zur Begutachtung der individuellen Versorgungsbedarfe müsse ein Rahmen für den regionsübergreifenden bundesweiten Einsatz fachspezifischer Ressourcen (Wechsel von regionalem zu disziplinärem Bezug) geschaffen werden. Zur Weiterentwicklung der Fachexpertise seien Fortbildungsverpflichtungen zu definieren; bei der Erarbeitung von Begutachtungsrichtlinien und Grundsatzgutachten seien die relevanten Fachgesellschaften und betroffenen Medizinprodukteunternehmen einzubinden.

11. Diabetesregister | Versorgungsforschung stärken
Zur Stärkung der Versorgungsforschung seien durch standardisierte Erhebungskriterien und -methodik erhobene Daten erforderlich, die in einem nationalen Diabetesregister zusammenzuführen seien. Regionale Register seien hierfür nicht geeignet.

12. Versorgungsforschung | Daten nutzbar machen
Die Weiterentwicklung der Bewertungsverfahren von Medizinprodukten erfordere die Erhebung relevanter Versorgungsdaten, welche nur innerhalb eines adäquaten Regelungsrahmens mit einer Datenstrategie zur Definition eines Zugangs zu versorgungsrelevanten, medizinischen und sonstigen Daten durchzuführen sei – diese Real-World-Data sollten im Zuge der Methodenbewertung anerkannt werden.