15. September 2021

Wildling Shoes mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet

Jonglieren die selbst entwickelten Wildling-Schuhe: Gründerteam Anna und Ran Yona. (Foto: Sarah Pabst)

Das junge Unternehmen Wildling Shoes aus Engelskirchen wurde gestern mit dem Deutschen Gründerpreis 2021 in der Kategorie „Aufsteiger“ ausgezeichnet. 2015 gründeten Anna und Ran Yona Wildling Shoes mit dem Ziel, Füßen die „maximale Freiheit“ zu geben.

Die beiden Gründer von Wildling Shoes, Anna und Ran Yona, legen Wert darauf, dass die von ihnen entwickelten Minimalschuhe gut sitzen und die Füße gesund halten – etwa mit einer geteilten Sohle. Sie setzen auf Experimente mit Mustern und Farben, Formen und Materialien. Sommerschuhe sind gar aus Papier. Mit diesem Konzept haben sie und ihr Unternehmen Wildling Shoes den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „Aufsteiger“ gewonnen. Die Jury habe entschieden, den Deutschen Gründerpreis auch deshalb an Wildling Shoes zu verleihen, weil sie das geschafft hätten, wovon sie überzeugt seien, ohne Kompromisse und mit einer Leidenschaft, die eine Idee zum Erfolg gemacht habe.

Sohlendicke zwischen 1,5 und 4,5 Millimeter
 „Herkömmliche Schuhe engen die Füße ein und erlauben der Muskulatur nicht, sich natürlich zu entwickeln. Unsere Schuhe geben den Füßen maximale Freiheit“, sagt Anna Yona, die Wildling Shoes 2015 mit ihrem Ehemann Ran gründete. Auf die Idee dafür brachten sie ihre eigenen Kinder. Diese sind in Israel in der Nähe von Haifa barfuß aufgewachsen: Als die Familie nach Deutschland zog, habe sich selbst unter den teuersten Schuhen keiner gefunden, der weiterhin natürliches Laufen erlaubt hätte. „Dann müssen wir eben selbst ran“, sagte sich das Ehepaar: Monatelang haben sich die Nahost-Expertin und der Sporttherapeut sich den Kopf zerbrochen, im Internet recherchiert, Workshops in Deutschlands Schuhhauptstadt Pirmasens besucht, geklügelt und gezeichnet. Nach fast zwei Jahren intensiver Entwicklungsarbeit war das Ziel erreicht: Ein Schuh, der den Fuß vor Verletzungen und Witterung schützt, ihn aber so wenig wie möglich in seiner natürlichen Bewegung und im gesunden Wachstum beeinträchtigt. Mit einer Dicke zwischen 1,5 und 4,5 Millimeter soll die Wildling Sohle ermöglichen, den Untergrund wieder aktiv wahrzunehmen, das bewusst fehlende Fußbett die Muskulatur trainieren.

„Wir wollten eigentlich nur Kinderschuhe herstellen“
Eine Kickstarter-Kampagne ermöglichte Anna und Ran Yona die Schuhentwicklung und die Gründung des Unternehmens, warf aber auch gleichzeitig das ursprünglich gedachte Geschäftsmodell über Bord. „Wir wollten eigentlich nur Kinderschuhe herstellen“, schildert Anna Yona: „Von den Kickstarter-Unterstützern kam jedoch die Rückmeldung, dass sie solche Schuhe auch gerne für sich selbst hätten“. Das Interesse war so groß, dass statt der erhofften 15.000 Euro letztlich 75.000 Euro zusammenkamen. Um die ersten 1.000 Paar Schuhe in zwei Farben herzustellen galt es nun nur noch, den geeigneten Hersteller zu finden. Die ersten Fabrikbesuche ließen eine Odyssee befürchten. „Die Rückmeldungen waren, dass wir zu viel versuchen und zu viel verlangen“, schildert Ran Yona: „Ein flexibles und gleichzeitig nachhaltiges Produkt wie wir es uns vorstellten, sei einfach nicht möglich. Das war natürlich frustrierend. Trotzdem ließ uns das Gefühl nicht los, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Nach acht Besichtigungen hatten die Yonas in Portugal endlich einen Hersteller gefunden, der sich mit ihnen auf die gemeinsame Reise begeben wollte.

Die Minimalschuhe von Wildling Shoes verkaufen sich in erster Linie über Mundpropaganda, auch in den USA. „Dort setzen wir auf Influencer und Kooperationen – also auch eine Form der Weiterempfehlung“, erläutert Anna Yona. „Wir arbeiten nur mit Menschen, die wirklich überzeugt sind von unseren Produkten, so dass auch eine langfristige Zusammenarbeit möglich ist.“ Dem Markteintritt in die USA wurde schon während der Crowdfunding-Kampagne der Weg bereitet: „Aus den Vereinigten Staaten hatte sich schon in dieser Phase eine große Gruppe beteiligt und uns den Zugang zu einem guten Netzwerk verschafft. Darunter sind beispielsweise Physiotherapeuten, die unsere Produkte aus einer gesundheitlichen Perspektive empfehlen oder auch Sportler. So ist eine Dynamik entstanden, die sich auch ohne unseren Einfluss positiv entwickelt und die unserer Marke, die wir organisch aufbauen wollen, guttut.“

Über den Deutschen Gründerpreis
Der Deutsche Gründerpreis wird jährlich in den Kategorien Schülerinnen und Schüler, StartUp, Aufsteiger und Lebenswerk verliehen. Außergewöhnliche Unternehmerleistungen können mit einem Sonderpreis gewürdigt werden.