17. November 2021

QVH-Qualitätsforum: Hilfsmittelversorgung im Wandel

Foto: Robert Kneschke/AdobeStock

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Am 11. November 2021 fand das 10. QVH-Qualitätsforum „Digital oder analog, das ist hier die Frage - Hilfsmittelversorgung im Wandel“ statt. Im Rahmen der virtuellen Veranstaltung wurden die Auswirkungen der Digitalisierung in der Hilfsmittelversorgung aus verschiedenen Perspektiven aufgezeigt. 

Bianca Haaser, Fachberaterin Grundsatzfragen Hilfsmittelversorgung, AOK Plus, gab einen Überblick über die Vorteile für die Versicherten und die Krankenkassen durch die Digitalisierung von administrativen Prozessen in der Hilfsmittelversorgung. „Die Digitalisierung bezeichnet die Einbeziehung digitaler Technologien in die geschäftlichen Prozesse mit dem Ziel, diese zu verbessern. Auch im Hilfsmittelbereich der AOK Plus wurden aktuell viele Projekte dazu bereits umgesetzt. So konnten wir die Dunkelverarbeitung/Autogenehmigung einführen und sind derzeit dabei, diese weiter auszubauen. Ebenso werden die Gutachtenaufträge an den Medizinischen Dienst inzwischen maschinell per DTA übertragen. Ein Tool zur Echtzeitabfrage der Zuzahlungsbefreiung steht für unsere Leistungserbringer zur Verfügung. Ein Blick in die Zukunft verrät weitere spannende Themen, wie den möglichen Einsatz von künstlicher Intelligenz oder die Einführung der eVerordnung.“

André Dick, Leiter digitale Fertigung bei Rahm, Zentrum für Gesundheit GmbH, betonte: „Wir sollten bei allen neuen und spannenden Möglichkeiten durch die Digitalisierung unser klassisches Handwerk nicht vergessen. Auch beim 3D-Drucken muss es immer um einen Mehrwert für den Patienten gehen  wir drucken nicht dem Drucken zu Liebe. Vielmehr wählen wir die Herstellungsweise, die in dem konkreten Anwendungsfall einen Mehrwert für den Patienten liefert.“

Dr. Hartmut Stinus, ehemaliger Präsident Gesellschaft für Fuß und Sprunggelenkchirurgie e.V., nahm vor dem Hintergrund des zwischen der Barmer und Meevo/Craftsoles geschlossenen Versorgungsvertrages zur digitalen Einlagenversorgung Stellung dazu, inwieweit eine orthopädische individuelle Einlagenversorgung aus der Distanz, ohne dass ein Fachmann Hand anlegt, machbar und zulässig ist. Aus medizinischer Sicht sprach er sich, wegen der voraussehbaren Risiken einer falschen Behandlung des Patienten, eindeutig dagegen aus.

Wie die Patientenversorgung durch Telemonitoring verbessert werden könne, erklärte Prof. Dr. Christoph Schöbel, Leiter Zentrum für Schlaf- und Telemedizin, Universitätsmedizin Essen. „Technik ist kein Selbstzweck. Telemetrisch übertragene Gesundheitsdaten müssen sinnvoll in bestehende Versorgungskonzepte integriert und im klinischen Kontext interpretiert werden können. Nur dann kann Telemonitoring dem behandelnden Ärzt helfen und zum Therapieerfolg der Patienten beitragen."

Dr. Walter Seliger, Teamleiter Hilfsmittelverzeichnis beim GKVSpitzenverband Bund, zeigte den Stellenwert des Hilfsmittelverzeichnisses in der Hilfsmittelversorgung auf und erläuterte die zentralen Aufgaben des GKVSpitzenverbandes bei der Erstellung, Aktualisierung und Fortschreibung des Hilfsmittelverzeichnisses. Um die fachlichen Anforderungen für die Neuaufnahme von Produkten ins Hilfsmittelverzeichnis für die Antragsteller transparenter darzustellen, nutzt der GKV-Spitzenverband ein neu entwickeltes Webportal.

Wie es um das Patientenwahlrecht bei der Anwendung digitaler Entlassmanagement-Plattformen bestellt ist, erläuterte Alexander Hesse, Justiziar des Bundesinnungsverbandes für OrthopädieTechnik (BIV-OT): „Das Entlassmanagement war in den letzten Jahren Gegenstand einiger Veränderungen. Es greifen hier zahlreiche Gebote und Verbote, Rechte und Pflichten aus verschiedenen Versorgungsbereichen und Interessenlagen ineinander. Zunehmend ist zu beobachten, dass weitere Akteure die Schnittstellen zwischen Kliniken, Kostenträgern und den Leistungserbringern besetzen, in der Hoffnung, nach außen innovativ dazustehen, aber gleichzeitig auch eine lukrative Schnittstelle zu übernehmen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bleiben dabei oftmals unberücksichtigt. Dies wiederum geht in der Regel zu Lasten der Versicherten, aber auch zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherungen.“

Dr. Wigan Salazar, Geschäftsführer MSL Group Germany GmbH, gab einen Ausblick darauf, was die Hilfsmittelversorgung in der 20. Legislatur von der Gesundheitspolitik zu erwarten hat. „Die Pandemie hat ein neues Bewusstsein für Gesundheitspolitik geschaffen. Gleichzeitig hat sie aufgezeigt, dass bei der Digitalisierung noch Nachholbedarf besteht. In der jetzt gerade begonnenen Legislaturperiode muss die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter vorangetrieben werden. Dabei sollte vor allem das Einsparpotential berücksichtigt werden, nicht zuletzt wegen des hohen Kostendrucks im Gesundheitssystem."