29. November 2021

Forschungsprojekt „Neuropath iA“: Diabetesbedingte Nervenschäden spielerisch erkennen

Foto: Sarah Kossmann/Universitätsmedizin Magdeburg

Mit einem Spiel auf einem Tablet und Schuhen mit Einlegesohlen, die mit Sensoren ausgestattet sind, möchte ein Forschungsprojekt in Magdeburg Nervenschädigungen bei Menschen mit Diabetes erfassen und beginnende Polyneuropathien frühzeitig erkennbar machen. Für das Projekt mit dem Titel „Neuropath iA“ werden noch Studienteilnehmer gesucht.

Schon zum Zeitpunkt der ersten Diagnose eines Diabetes mellitus können Veränderungen an den Nerven vorliegen. Mit einem neuartigen Forschungsansatz widmet sich eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Peter Mertens, Klinikdirektor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie der Universitätsmedizin Magdeburg, diesem Problem. Prof. Mertens erklärt: „Zirka jeder dritte Patient mit Diabetes leidet an einer Nervenschädigung. Gut die Hälfte dieser Patienten weiß dies jedoch nicht und läuft somit Gefahr für eine ernsthafte Fußverletzung, wie etwa Verbrennungen. Verletzungen werden dadurch unbemerkt verschleppt und weiten sich leichter aus.“ Laut dem Diabetologen können zudem Nerven durch den Einfluss von erhöhten Blutzuckerwerten aktiviert werden, ohne dass es angebracht wäre. Dies führe zu Symptomen wie Ameisenkribbeln, unangenehmem Ziehen bis brennenden Schmerzen, meist verbunden mit Bein- oder Fingerkrämpfen.

Bei der ärztlichen Untersuchung wird nach solchen Veränderungen gefahndet. In der Diagnostik nutzt die Magdeburger Arbeitsgruppe dafür ein eigens entwickeltes einfaches Spiel. Prof. Mertens erläutert das Prinzip: „Nervenschäden werden unter anderem durch Auslösung der Muskelreflexe oder die Nutzung einer Stimmgabel bestimmt. Unsere Probandinnen und Probanden tragen Schuhe mit speziellen Einlegesohlen, die mit Hilfe von Drucksensoren die Nervenfunktion bei bestimmten Bewegungsübungen messen können. Sind die Wahrnehmungen vermindert, spricht man von einer Polyneuropathie.“ Neben dem 20-minütigen Bewegungs-Spiel erfolgen eine ärztliche Untersuchung aller Nervenfunktion, eine Testung der kognitiven Funktionen und ein Fragebogen ist ebenfalls auszufüllen. Die Auswertung der Spielergebnisse werden den Studienteilnehmenden unmittelbar mitgeteilt und mit Untersuchungsbefunden der Ärzte verglichen.

Mehr als 200 Probanden haben bisher an der Studie teilgenommen. In dem Forschungsprojekt werden noch weitere Studienteilnehmer gesucht. „Wir benötigen knapp 500 Probanden mit Diabetes Typ I oder II, damit wir eine aussagefähige Kohorte haben“, erklärt Prof. Mertens. Interessierte sollten im Alter von 18 bis 80 Jahren sein, eine Schuhgröße von 36 bis 46 tragen und nicht an Fußveränderungen und akuten Erkrankungen leiden. Die Untersuchungen finden an der Universitätsmedizin in Magdeburg statt. Die Fahrtkosten können erstattet werden.

Das Projekt mit dem Titel „Neuropath iA“ (Prof. Dr. Peter Mertens, Antao Ming, Claudia Piehler) ist Teil des interdisziplinären Forschungsverbundes „Autonomie im Alter“ und wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Kontakt:
Claudia Piehler, Studienzentrum der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie am Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R., Leipziger Str. 44, Tel.: 0391-67 21745, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!