13. April 2022

Asklepios-Studie: Gesetzlich Krankenversicherte erleben sich vor allem als Kostenfaktor

Foto: Zerbor/Adobe Stock

77 Prozent der gesetzlich Versicherten haben den Eindruck, dass der Patient von den gesetzlichen Krankenkassen vor allem als wirtschaftlicher Faktor gesehen wird, bei dem nicht das Wohl, sondern die Kosten im Mittelpunkt stehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Online-Befragung von 1.200 gesetzlich Versicherten, die das Institut Toluna im Auftrag der Asklepios-Kliniken durchführte. 86 Prozent der Befragten meinen, der Arzt solle über die beste Behandlung entscheiden, weniger die Krankenkasse. 93 Prozent finden, die Prüfung von Qualität, Kosten und Leistungen sollten durch eine unabhängige Instanz erfolgen statt durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen. 

„Die überwältigende Mehrheit der gesetzlich Versicherten erlebt die Kostenträger in erster Linie als ökonomisch getriebene Institutionen, für die das Wohl der Mitglieder eine untergeordnete Rolle spielt“, sagt Kai Hankeln, Vorstandsvorsitzender der Asklepios Kliniken.
­
Jedem zweiten GKV-Versicherten ist laut der Studie bei der Wahl eines Krankenhauses die Ergebnisqualität wichtiger als die Strukturqualität. Für 42 Prozent ist beides gleichermaßen wichtig. Für die Strukturqualität, bei der überprüft wird, wie Praxen und Kliniken mit Mitarbeitern, Ärzten, Spezialisten und medizinischen Geräten ausgestattet sind, sprechen sich nur acht Prozent aus. Bei der Ergebnisqualität zählt, ob es zu Komplikationen kam oder Zweitoperationen notwendig werden. „Die Fixierung der Kostenträger auf Strukturqualität wird von den Versicherten in keiner Weise geteilt“, sagt Asklepios-CEO Hankeln. Für die Patienten sei das Ergebnis einer Behandlung wichtig. Aus seiner Sicht diene aber das "bürokratische Vorgehen der GKV" letztlich nur dazu, die Kostenerstattung für erbrachte Behandlungsleistungen zu vermeiden, ohne dass die Patienten davon irgendeinen greifbaren Vorteil hätten.

Mangelnde Transparenz über Zuzahlungen

Zwei Drittel der Befragten finden die Kosten für Behandlungen, Medikamente etc. nicht transparent und 84 Prozent wünschen sich eine solche Info von ihrer Krankenkasse. Nur knapp jeder Zweite gibt an, dass Zuzahlungen, die geleistet werden müssen, von der Krankenkasse transparent und nachvollziehbar erklärt werden. 57 Prozent wissen nicht, welche Informationen auf ihrer Versichertenkarte gespeichert sind. Lediglich 19 Prozent haben jemals eine Einzelabrechnung angeschaut, 34 Prozent wissen gar nicht, dass das geht und bei 14 Prozent gebe es diese Möglichkeit bei ihrer Versicherung gar nicht.

Mehr als die Hälfte der GKV-Versicherten geht davon aus, dass es weniger als 50 Krankenkassen in Deutschland gibt (tatsächlich sind es etwa doppelt so viele.) Auf die Leistungen bezogen halten GKV-Versicherte vor allem Vorsorgeuntersuchungen (95 Prozent, Raum Hamburg: 93 Prozent), Zahn-Zusatzleistungen (92 Prozent, Raum Hamburg: 94 Prozent) sowie erweiterte Leistungen bei Schwangerschaft und Geburt (90 Prozent, Raum Hamburg: 92 Prozent) für sinnvoll. Jeder zweite Befragte meint, dass Behandlungen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt sind, grundsätzlich nicht mehr übernommen werden sollten. 70 Prozent sind darüber hinaus dafür, dass Krankenkassen verpflichtet werden sollten, Angebote, die augenscheinlich der Werbung und dem Marketing dienen, einzuschränken oder zu streichen.