20. April 2022

Umknicken im Sport: Wenn die Bänder über dem Sprunggelenk reißen

Foto: BillionPhotos.com/Adobe Stock

Häufig passiert es bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, wie Fußball, Handball oder Tennis. Einmal den Fuß nach außen weggedreht, umgeknickt und schon ist es passiert - die Bandstruktur über dem oberen Sprunggelenk hält den Zug nicht aus und reißt. Entweder teilweise oder ganz. Wie kann eine Syndesmosen-Verletzung behandelt werden?

Die Syndesmose ist die Verbindung zwischen Waden und Schienbein durch eine straffe Bandstruktur, die insgesamt aus fünf Bändern besteht. Die einzelnen Strukturen sind bindegewebsartig und haben unterschiedlichen Bruchlasten und Steifigkeiten. Nur wenn alle fünf Bänder bei einer Verletzung reißen, redet man genau genommen von einem kompletten Syndesmosen-Riss, der in diesem Fall dann auch meist auch mit Knochenbrüchen einhergeht, erklärt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

„Bei einem Teilriss, bei dem nur das vordere oder mittlere Band betroffen sind, wird für die Diagnose aber oft der gleiche Terminus verwendet. Das ist ein wenig irreführend, und mündet nicht selten unberechtigt in der Bezeichnung „Horrordiagnose“, so Priv.-Doz. Dr. med. Raymond Best  (Sportklinik Stuttgart), der auf dem 37. Jahreskongress der GOTS in Berlin über dieses Thema berichten wird.

Meist seien Sportler zwischen 12 und 40 Jahren betroffen. Außer in den Sportarten mit schnellen Richtungswechseln könnten Syndesmosen oft auch beim Klettern, Wandern oder Skifahren vorkommen, wenn entsprechend hohe Kräfte am Werk seien. Während Ultraschall, -Röntgen und MRT-Untersuchungen recht schnell einen kleinen Teilriss oder Komplett-Riss offenbaren, sei das bei einem Teilriss von mehr als einem der fünf Bänder nicht immer gleich eindeutig. Sind nur zwei bis drei Bänder betroffen, könne man die Folgen für die Stabilität der „Sprunggelenksgabel“ oft nicht zweifelsfrei nur anhand von Bildern belegen. In diesem Fall könne eine Spiegelung des Sprunggelenkes (Arthroskopie) weiterhelfen. Während dieser Sitzung testet der Operateur die Stabilität der Bänder zum Beispiel durch leichtes „Gegendrücken“ des Wadenbeines mit einem kleinen Stab.

Bei der operativen Versorgung wird das Wadenbein in seine Führung am Scheinbein „gestellt“ und per Schrauben oder Fadensystemen eine stabilisierende Verbindung geschaffen, die eine Heilung der syndesmosalen Bandverbindungen sicherstellen soll. Die Ausfallzeit wird in der Regel mit mindestens 8 bis 12 Wochen angegeben. 4 bis 6 Wochen müssten Betroffene nach OP bis zum Abschluss der reparativen Phase teilentlasten, anschließend bis zu drei Monate langsam wieder aufbelasten. Auch eine Teilverletzung, die konservativ behandelt wird, muss entsprechend gut ausheilen und braucht Zeit. „Das Schlimmste, was passiert, wenn es nicht richtig ausheilt, ist, dass die Syndesmose nicht stabil genug wird, was wiederum zu belastungsabhängigen Schmerzen führen kann.“, so PD Dr. Best. Sportler und Nichtsportler unterliegen dabei den gleichen Naturgesetzen, auch bei Sportlern heile eine Syndesmosenverletzung nicht schneller und erfordere daher eine entsprechend konsequente Belastungspause.

Der 37. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) findet vom 19. bis 20. Mai 2022 in Berlin statt: https://gots-kongress.org/