20. April 2022

Weltweit immer mehr Menschen mit Diabetes

Foto: Michail Petrov/Adobe Stock

Eine Analyse aktueller Prognosen zur weltweiten Anzahl von Menschen mit Diabetes zeigt, dass der prognostizierte Anstieg bereits deutlich früher erreicht wird, als aufgrund der Prognosemodelle anzunehmen wäre. Dies deutet darauf hin, dass der in den nächsten Jahrzehnten ohnehin zu erwartende deutliche Anstieg noch stärker ausfallen wird.

Jährlich erscheinen neue Prognosen der International Diabetes Federation (IDF) zur zukünftigen Entwicklung des Diabetesgeschehens. Forschende des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) haben aber nun erstmals verglichen, inwieweit sich die vom IDF berichtete Erkrankungshäufigkeit von den IDF-Prognosen unterscheiden. Im aktuellen Bericht wird die weltweite Anzahl der Menschen mit Diabetes im Jahr 2021 auf 537 Millionen geschätzt und für das Jahr 2045 ein Anstieg auf 783 Millionen prognostiziert.

Die Daten werden fortgeschrieben und mit der erwarteten Bevölkerungsentwicklung verrechnet, um die zukünftige Erkrankungshäufigkeit zu ermitteln. Die Prognosen des IDF finden weltweit Beachtung und werden herangezogen, um die zukünftige Krankheitslast des Diabetes abzuschätzen.

195 Millionen mehr Menschen mit Diabetes: Prognosen unterschätzen Entwicklung

„Wir vermuten allerdings, dass diese Prognosen den tatsächlichen Prozess unterschätzen und nicht die vollständige Dynamik der Entwicklung abbilden“, erklärt Prof. Oliver Kuß, Direktor des Instituts für Biometrie und Epidemiologie am DDZ. „Es zeigte sich, dass die prognostizierte Anzahl an Menschen mit Diabetes durchschnittlich bereits circa 12 Jahre vor dem errechneten Zeitpunkt zu beobachten ist. Dies entspricht circa 195 Millionen mehr Menschen mit Diabetes, als aufgrund der Prognose anzunehmen wäre.“

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der ohnehin schon deutliche Anstieg noch stärker ausfallen könnte als bisher angenommen“, sagt Dr. Thaddäus Tönnies, Erstautor der Studie und Wissenschaftler am DDZ und fährt fort. „Zudem zeigen die Ergebnisse, dass weiter Forschungsbedarf bezüglich der Methoden zur Prognose besteht. Insbesondere bezüglich der Datenlage gäbe es weltweit, aber auch in Deutschland, Nachholbedarf.“

Insgesamt zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass die Zahl der weltweit von Diabetes betroffenen Personen in Zukunft erheblich stärker als bisher angenommen steigen könnte. Präventionsmaßnahmen, die das Risiko für Diabetes in der Bevölkerung senken, können dieser Entwicklung entgegenwirken.

Originalpublikation
Tönnies T, Rathmann W, Hoyer A, Brinks R, Kuss O. Quantifying the underestimation of projected global diabetes prevalence by the International Diabetes Federation (IDF) Diabetes Atlas. BMJ Open Diabetes Res Care. 2021 Aug;9(1):e002122. doi: 10.1136/bmjdrc-2021-002122.