25. Mai 2022

HDS/L-Symposium: Branche traf sich in Herzogenaurach

Der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel begrüßte die Gäste. (Foto: HDS/L)

Der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L) veranstaltete am 19. Mai zum 12. Mal das HDS/L-Symposium. Mehr als 130 Gäste kamen nach Herzogenaurach ins Adidas-Headquarter. Das Motto des Symposiums lautete: „Resilienz & Ressourcen“.

„Der große Zuspruch zeigt, dass die Branche in diesen herausfordernden Zeiten sehr viel Informations- und Gesprächsstoff hat. Es zeigt aber auch, wie wichtig der persönliche Austausch nach der langen Auszeit ist“, so HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert. Die vergangenen zwei Jahre haben die Schuh- und Lederwarenbranche vor große Herausforderungen gestellt und es gebe weiterhin viele Unwägbarkeiten zu bewältigen. Die Folgen der Corona-Krise seien längst noch nicht ausgestanden. Der Ukraine-Krieg drücke auf die Stimmung der Menschen. Hinzu komme: Russland und die Ukraine hatten sich in den letzten Jahren zu wichtigen Partnern entwickelt. Die massiven Sanktionen gegen Russland in den Bereichen Finanzen, Energie und Transport und der weitgehende Ausfall der ukrainischen Industrie würden die Geschäfte der HDS/L-Mitgliedsunternehmen in erheblichem Maße beeinträchtigen.

„Wahrlich kein Szenario, das optimistisch stimmt. Und doch gibt es Menschen, die auch in stressigen, schwierigen Situationen gelassen bleiben. Die auch, wenn es mal richtig turbulent zugeht, den Überblick behalten. Die sich nicht beirren lassen und ihren Weg konsequent weitergehen. Solche Menschen beherrschen die Fähigkeit der Resilienz, eine Kraft, die das Leben lehrt. Außerdem haben sie vermutlich genügend Ressourcen aufgebaut“, so der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel bei der Begrüßung der Gäste in Herzogenaurach. Wie lässt sich diese Fähigkeit auf Unternehmen übertragen? Wie kann es Unternehmen gelingen, in extremen Situationen widerstandsfähig zu bleiben? Das HDS/L-Symposium zeigte neue Wege und Impulse auf.

130 Gäste zählte das 12. HDS/L-Symposium, das im Adidas-Headquarter in Herzogenaurach stattfand. (Foto: HDS/L)

Resilienz durch Automatisierung und Nachhaltigkeit

Gerade die Beschaffungslogistik hatte im vergangenen Jahr durch die Corona-Krise große Probleme zu bewältigen. Automatisierte Unternehmen gelten als resilienter und besser in der Lage, Krisen zu überwinden. Worauf es bei der Automatisierung ankommt und welche Wirtschaftsräume jetzt die besten Voraussetzungen für langfristige, krisenresistente und nachhaltige Investitionen bieten, erläuterte Klaus Freese vom Maschinenbauer Desma. Sein Credo: „Die Globalisierung entwickelt sich zurück. Durch den Einsatz automatisierter Schuhfertigung sind die Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa so gut wie selten zuvor.“ Einen spannenden Einblick in die zukünftigen Möglichkeiten, Maschinen in der Schuh-Logistik einzusetzen, gab Thomas Bielmeier von Magazino. Er stellte den Roboter „Toru“ im Praxistest vor.

Welche Rolle das Thema Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil der Geschäftsstrategie spielt, erläuterte Gudrun Messias, Director Sustainable Direction bei Adidas. Die Expertin für Klimawandel und Kreislaufwirtschaft weiß: „Investoren und Konsumenten haben immer höhere Ansprüche und Erwartungen an die Nachhaltigkeitsstrategien. Andererseits steht gerade die Modeindustrie oft in der Kritik.“ Sie erläuterte am Beispiel von Adidas, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um sich langfristig für eine Zukunft aufzustellen, in der Verfügbarkeit und Kosten von Ressourcen nimmer volatiler werden.

Wie man junge Menschen für die Branche begeistern und langfristig binden kann, darüber diskutierten HDS/L-Referent Torben Schütz mit Taschen-Hersteller Georg Picard und Jörg Altpeter von der Berufsbildenden Schule Pirmasens. Ihr Fazit: Motivation, Community, Digitalisierung und die Möglichkeit an internationalen Standorten arbeiten zu können, sprechen für einen Job in der dynamischen Schuh- und Lederwarenbranche. Um sich weiterzubilden, gelte es, die Angebote der Bildungsinstitute der Branche, zum Beispiel das ISC Germany in Pirmasens, zu nutzen.

Schuhfabrik in Kenia

Auch bei Produktion und Beschaffung sei es notwendig, außergewöhnliche Standorte in Betracht zu ziehen, nicht zuletzt aufgrund der seit Monaten andauernden Probleme in Asien. Vor diesem Hintergrund stellte Silvia Jungbauer, Hauptgeschäftsführerin des Gesamtverbands der deutschen Maschenindustrie Gesamtmasche, drei Projekte in Äthiopien, Senegal und Usbekistan vor, die der Verband mit Partnern vor Ort ins Leben gerufen hat und die Tür zu neuen Märkten, aber auch zu neuen Beschaffungswegen öffnen. Der HDS/L-Vorsitzende Carl August Seibel berichtete über seine Erfahrungen bei der Planung, Umsetzung und beim Aufbau einer Schuhfabrik in Kenia. Vor zweieinhalb Jahren startete das Projekt Josef Seibel Africa Ltd. Heute steht südlich von Mombasa, in einer Region, in der es noch nie industrielle Schuhherstellung gab, eine moderne Schuhfabrik. Auch der HDS/L treibt seine internationalen Aktivitäten voran. HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert stellte den Teilnehmern verschiedene aktuelle Projekte, darunter Gemeinschaftsstände auf Messen in Italien und Japan sowie künftig geplante Geschäftsanbahnungen in Usbekistan und weiteren Ländern vor.

Spannend blieb es in Herzogenaurach bis zuletzt: Bei der Besichtigung der „Herzo-Base“ erhielten die Teilnehmer Einblicke in das Headquarter von Adidas.