12. Juli 2022

ZDH: Zukunft braucht Können

Hans Peter Wollseifer (Foto: ZDH/Ortrud Stegner)

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Das Handwerk hat beim ZDH-Forum "Zukunft braucht Können – Fachkräfte für das Handwerk" am 7. Juli 2022 auf der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München mit einem Bildungsaufruf an die Politik appelliert, eine Bildungswende zu vollziehen hin zu einer deutlich stärkeren Wertschätzung und ideellen wie finanziellen Förderung der beruflichen Bildung.

In den Reden und Diskussionsbeiträgen während des ZDH-Forums wurde einhellig darauf hingewiesen, dass die ökologische und digitale Transformation nur gelingen kann, wenn ausreichend qualifizierte Fachkräfte im Handwerk sie vor Ort umsetzen.

"Der Mangel an Nachwuchs bei qualifizierten Fachkräften im Handwerk stellt nicht allein für das Handwerk, sondern für unsere Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt ein Problem dar, da er generell unsere Zukunftsfähigkeit bedroht", betonte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), zu Beginn des ZDH-Forums. Klimaschutz und Energiewende könne es nur mit dem Handwerk und nur mit seinen qualifizierten Fachkräften geben. "Millionen Handwerkerinnen und Handwerker sind bereits jetzt täglich aktive Klimaschützer, wenn sie Solardächer installieren, Ladesäulen für die E-Mobilität und Windparks bauen, wenn sie Heizungen austauschen und Häuser energieeffizient sanieren und bauen", so Wollseifer. Aber auch für die Aufrechterhaltung der täglichen Daseinsversorgung – etwa mit Lebensmitteln oder mit Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen einer alternden Gesellschaft – seien qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker unverzichtbar.

Ausgelöst durch die vielen gleichzeitigen und ineinandergreifenden Krisen aktuell steige der Druck zur Transformation und damit auch der Druck auf das Handwerk als dem Transformations-Umsetzer. Gleichzeitig fehlen im Gesamthandwerk schon jetzt schätzungsweise rund 250.000 Fachkräfte – Tendenz steigend. Diese Fachkräftelücke werde sich voraussichtlich in den kommenden Jahren zum einen wegen der demografischen Entwicklung und zum anderen des weiter anhaltenden Dranges zum Studium weiter vergrößern. Jedes Jahr bleiben allein im Handwerk um die 20.000 von Betrieben angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt, weil Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Zugleich wechseln viele qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Rund 125.000 Handwerksbetriebe stehen in den nächsten fünf Jahren zur Nachfolge an.

"Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass wir all die zusätzlichen Vorhaben besonders im Klima- und Umweltschutz mit dem jetzigen Stamm an Beschäftigten nicht hinbekommen werden. Wir brauchen also nicht nur eine Klimawende. Wir brauchen nicht nur eine Energiewende. Wir brauchen nicht nur eine Mobilitätswende. Für all das brauchen wir vor allem eine Bildungswende", bringt es Handwerkspräsident Wollseifer auf den Punkt.

Mit einem Aufruf zur Bildungswende appellierte die Handwerksorganisation an die Politik, die Fachkräftesicherung aktiv zu unterstützen und nennt als vorrangige vier Handlungsfelder: eine gleichwertige Behandlung beruflicher und akademischer Bildung, eine gesetzliche Festschreibung der Gleichwertigkeit, eine Entlastung von Ausbildung und Ausbildungsbetrieben und eine bundesweit flächendeckende Berufsorientierung zu den Möglichkeiten beruflicher Bildung.