15. Juli 2022

Eurocom-Mitgliederbefragung 2022: Engpässe verhindern, Innovationen stärken

(Grafik: eurocom e. V.)

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Wie schätzen die Mitglieder der Europäischen Herstellervereinigung für Hilfsmittel zur Kompressionstherapie und orthopädische Hilfsmittel (Eurocom) die Lage des Hilfsmittelmarktes und seiner Rahmenbedingungen in Deutschland ein? Antworten gibt die aktuelle Mitgliederbefragung des Verbandes.

 2021 als jährliches Branchenbarometer eingeführt, liegen nun die Ergebnisse der Neuauflage vor. Durchgeführt wurde die Befragung im Mai und Juni 2022 mit einer Beteiligung von 81 Prozent der eurocom-Mitglieder.

Abfederungsmechanismus für Preissteigerungen notwendig

Vor allem wirft die Mitgliederbefragung 2022 ein Licht auf die schwerwiegenden Folgen von Pandemie und Krieg für die Hilfsmittelbranche:

Kostensteigerungen durch gestiegene Energie- und Rohstoffpreise sowie durch höhere Logistik- und Transportkosten stellen für die Hilfsmittelindustrie aktuell das größte Markthemmnis dar. 100 Prozent der Befragungsteilnehmer sind davon betroffen. 83 Prozent von ihnen können Kostensteigerungen gar nicht oder nur teilweise an den Markt weitergeben. Vor allem deswegen, weil Erstattungspreise in den Versorgungsverträgen langfristig festgelegt sind, identifizieren 69,2 Prozent der Befragten dies als Hauptursache. Für 89,7 Prozent wirkt sich dieser Sachverhalt unwirtschaftlich aus. 31 Prozent befürchten einen Engpass in der Hilfsmittelversorgung. Erschwerend hinzu komme, dass zwar sämtliche Teilnehmer die Medical Device Regulation umgesetzt haben, diese sich allerdings für 92,9 Prozent als größter regulatorischer Kostentreiber darstellt.

„Engpässe in der Hilfsmittelversorgung hätten gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität und Teilhabe der Patienten. In dieser Krise eine verlässliche Patientenversorgung zu gewährleisten, stellt für die Branche eine Herausforderung dar, mit der sie nicht alleine gelassen werden darf. Damit langfristig verlässlich produziert und versorgt werden kann, dürfen Preissteigerungen nicht einseitig zu Lasten der Hersteller und Leistungserbringer gehen. Deshalb müssen Festbeträge und Verträge nach objektiven Kriterien flexibel anpassbar sein“, fordert Oda Hagemeier, Geschäftsführerin eurocom e. V.

HMV-Verfahren nach transparenten und standardisierten Regeln

Die Mitgliederbefragung der eurocom bestätigt die unverändert große Bedeutung des deutschen Marktes für die Hilfsmittelhersteller. Wie schon in 2021 ist Deutschland wichtigster Markt für über 80 Prozent der Befragten. Nachdem pandemiebedingt 46 Prozent der für 2020 bis 2022 geplanten Markteinführungen verschoben werden mussten, investieren jetzt wieder 86 Prozent der Teilnehmer in neuartige Hilfsmittel. Dies stehe in starkem Kontrast zur Bremswirkung, die das unsichere Aufnahmeverfahren neuartiger Produkte in das Hilfsmittelverzeichnis (HMV) für eine Mehrheit der Unternehmen nach wie vor erzeuge: Darin sehen – wie schon 2021 – über 60 Prozent der Unternehmen Risikopotenzial und bewerten dieses als größtes Innovationshemmnis. Aufnahmeanträge neuartiger Hilfsmittel wurden bei 60 Prozent der Befragten abgelehnt, bei 53 Prozent betraf dies mindestens drei Neuentwicklungen. Ablehnungen erstrecken sich sogar auf bereits bekannte Hilfsmittel. Das stellt über ein Drittel der Befragungsteilnehmer fest. Bei 70 Prozent von ihnen sind gleich mehrere Produkte betroffen, bei 50 Prozent mindestens drei.

Oda Hagemeier erklärt: „Damit Patienten ungehinderten Zugriff auf innovative Hilfsmittel haben, muss deren Aufnahme beschleunigt werden. Denn das Hilfsmittelverzeichnis hat eine marktsteuernde Wirkung, auch wenn es sich nicht um eine Positivliste handelt. Wir brauchen ein standardisiertes Verfahren, insbesondere zur Anerkennung des medizinischen Nutzennachweises. Deshalb fordert die Eurocom ein obligatorisches Beratungsgespräch, das die Vereinbarungen zwischen Antragsteller und GKV-Spitzenverband klar regelt, sowie die Einführung eines Fast-Track-Verfahrens für Hilfsmittel, die als Alternativen zu bereits gelisteten Produkten gelten – für eine zukunftsfeste Hilfsmittelversorgung in Deutschland.“