28. Juli 2022

Orthokids: Orthopädisches Präventionsprojekt für Kinder und Jugendliche

Foto: New Africa/Adobe Stock

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Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat das bundesweit einmalige Präventionsprojekt „Orthokids“ initiiert, das den Nachwuchs vor orthopädischen Spätfolgen und Skelettfehlstellungen bewahren soll. Ab Anfang August sollen 20.000 Kinder und Jugendliche untersucht werden. 

Das Projekt wird von der KVBW geleitet und gemeinsam mit folgenden Partnern durchgeführt: Orthopädie im Olgahospital des Klinikums Stuttgart unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Wirth, dem Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS und dem Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie der Universität Köln. Kooperationspartner sind der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), die AOK Baden-Württemberg, die Techniker Krankenkasse (TK), das Landesgesundheitsamt sowie diverse Sportverbände.

Fehlstellungen frühzeitig erkennen

Viele Schmerzen, unter denen Erwachsene leiden, haben ihren Ursprung in Kindheit und Jugend, weil Fehlstellungen oder Skelettdeformationen nicht frühzeitig erkannt und behandelt wurden. „In den Jahrzehnten, in denen ich als Orthopäde tätig war, habe ich viele Betroffene gesehen, deren Krankheitsbild wesentlich hätte gemildert werden können, wenn man die Ursache ihrer Beschwerden schon in deren Jugend angegangen wäre. Das Projekt Orthokids liegt mir daher besonders am Herzen“, sagt Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der KVBW, der das vier Jahre dauernde Projekt ins Leben gerufen hat. Es wird aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit rund 5,1 Millionen Euro gefördert.

Ziel des Projektes ist, eine zusätzliche orthopädische Vorsorgeuntersuchung für Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren zur Früherkennung und Behandlung von Fehlstellungen zu etablieren. Diese ist wichtig, um Auffälligkeiten und Verformungen an Rücken, Beinen oder Hüften zu diagnostizieren wie zum Beispiel Skoliose – eine Krankheit, die etwa zwei Prozent aller Kinder betrifft. „Je früher Skoliose diagnostiziert wird, umso effizienter ist die Therapie und ein Fortschreiten der Krankheit, die u. a. zu Gelenkverschleiß und Bandscheibenproblemen führen kann, wird vermieden“, berichtet Prof. Wirth, Ärztlicher Direktor der Orthopädie im Olgahospital. Nach seiner Erfahrung würden auch Fehlentwicklungen wie etwa O- und X-Beine oder eine Hüftdysplasie oft zu spät oder gar nicht erkannt. Prof. Wirth: „Obwohl eine Fehlbildung des Hüftgelenks in der Regel im Babyalter therapiert wird, kann diese im Jugendalter noch ausgeprägt sein, was im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung festgestellt wird.“ Sorge bereitet dem Orthopädie-Professor die Zunahme übergewichtiger Kinder. „Durch die Zunahme von Adipositas im Kinder- und Jugendalter treten orthopädische Fehlstellungen verstärkt auf“, so Prof. Wirth.

Alle Kinder zwischen zehn und 14 Jahren in Baden-Württemberg zur Teilnahme aufgerufen

Eltern können sich mit ihrem Nachwuchs direkt an die beteiligten Orthopädinnen und Orthopäden wenden. Die Wirksamkeit dieser Vorsorgeuntersuchung wird im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie untersucht. Bei auffälligen Befunden werden entsprechende Behandlungsmaßnahmen im Rahmen der Regelversorgung eingeleitet. Für die an der Studie teilnehmenden Kinder und Jugendlichen wurde auch eine spezielle App entwickelt, die spielerisch zu mehr Bewegung und Training anregen soll.

Weitere Informationen zum Projekt und zu den teilnehmenden Orthopäden unter www.ortho-kids.de