03. August 2022

Kristine Lütke (MdB, FDP) betont Bedeutung einer wohnortnahen und qualitätsgesicherten Hilfsmittelversorgung

Foto: Kristine Lütke

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Die Bundestagsabgeordnete Kristine Lütke (FDP) besuchte am 22. Juli die orthopädischen Werkstätten und Sanitätshaus Dechet in Roth. „Die wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung für jede und jeden Einzelnen ist von hoher Bedeutung. Patientinnen und Patienten müssen auf Qualitätsstandards in der Versorgung vertrauen können, auch während Krisen wie einer Pandemie“, erklärte die Gesundheitspolitikerin. „Gleichzeitig müssen Unternehmen im Gesundheitswesen auf Preisschwankungen und Lieferengpässe schneller reagieren können, damit keine Engpässe in der Versorgung entstehen. Nur so können wir die derzeit hohe Versorgungsqualität halten und Leistungskürzungen vermeiden“, so die Berichterstatterin für Heil- und Hilfsmittel der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.

WvD wirbt für Maßnahmenkatalog

Weniger Bürokratie, mehr Flexibilität und mehr Effizienz stehen auch beim Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) ganz oben auf der Agenda. Um die hohe Versorgungsqualität in Deutschland zu gewährleisten und versteckte Leistungskürzungen zu verhindern, empfahl Kirsten Abel, Generalsekretärin des WvD, im Gespräch mit Kristine Lütke einen Katalog von Maßnahmen: Entbürokratisierung durch Harmonisierung der Mehrwertsteuer, standardisierte Formulare in Krankenkassenverträgen und die Überarbeitung der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV).

Leitverträge erforderlich

Seit Langem schon fordert das Bündnis zudem Leitverträge mit führenden Organisationen der Leistungserbringer statt immer wieder Qualitätsstandards verletzende Einzelverträge. So erläuterte Michael Schäfer, stv. Obermeister der Landesinnung Bayern für Orthopädie-Technik: „Leitverträge würden auf das Konto einer stabilen Versorgungsqualität unter der Maßgabe deutlich größerer Effizienz einzahlen“, und verwies beispielhaft auf die vom Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) gestoppte „eVersorgung“ mit Einlagen (PG 08). Der Einzelvertrag der Barmer sei ein Versuch gewesen, unter dem Deckmantel der Digitalisierung Versorgungsstandards abzusenken, so Schäfer.

Eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wie die Barmer hatte einen Vertrag verhandelt, der das Entsetzen sämtlicher für die Versorgung in dieser Produktgruppe einschlägigen medizinischen Fachgesellschaften hervorrief. Trotzdem werde in aller Öffentlichkeit überlegt, wie man diese Versorgung wieder aufleben lassen könne. Nach dem Motto: „Was nicht passt, wird passend gemacht“ werde dabei die Anpassung des Hilfsmittelverzeichnisses und damit letztlich die Senkung gesetzlicher Mindeststandards gefordert, wie Schäfer sagte. „Dieses vom BAS aus dem Verkehr gezogene Beispiel hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass Vertragsparteien über das Wohl der Versicherten entscheiden, die eine qualitätsgesicherte Versorgung im Blick behalten, denn Fehlversorgung hat schlussendlich ebenfalls wirtschaftliche Konsequenzen.“

Unternehmerisches Handeln braucht den Blick fürs Ganze

Beim Rundgang durch den Inhaber geführten Meisterbetrieb in vierter Generation erläuterten Orthopädietechniker-Meister Matthias Dechet sowie Alf Reuter, WvD-Vorstand und Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT), der Abgeordneten drängende Fragen im Versorgungsalltag einer orthopädietechnischen Werkstatt. „Fachkräftemangel, stark steigende Preise für Lieferungen und Energie sowie ein überaus hohes Maß an Bürokratie kennzeichnen unseren Alltag. Verwaltungsaufgaben sowie Verhandlungen mit den Krankenkassen über die Kostenübernahme für Versorgungen, die den Patienten und Patientinnen nach dem Sozialgesetzbuch eigentlich zustehen, nehmen immer mehr Zeit ein“, skizzierte Alf Reuter die Situation der Sanitätshäuser. Zeit, die der Orthopädietechnik-Meister lieber seinen Patienten widmen würde.

„Zusätzlich erreichen uns jeden Tag neue Nachrichten über Kostensteigerungen, die wir zumeist allein schultern müssen. Denn wir haben mit den rund 100 Kostenträgern in Deutschland mehrjährige Verträge. Zwar zeigen einzelne Krankenkassen kleine Flexibilitäten und übernehmen Zuschüsse, zumeist bleiben die Betriebe aber auf den Mehrkosten sitzen.“ Mit Blick auf die ebenfalls stark unter Kostendruck stehenden Kostenträger warnte Alf Reuter vor versteckten Leistungskürzungen.

Quelle: BIV-OT