26. Oktober 2022

Gesundheitshandwerke fordern Sicherstellung von Versorgungsstrukturen und Entbürokratisierung

Thomas Truckenbrod (ZVA), Dominik Kruchen (VDZI), Alf Reuter (BIV-OT), Ortwin Schulte (Bundesministerium für Gesundheit), Marianne Frickel (biha), Hans Peter Wollseifer (ZDH) und Thomas Ehrle (ZVOS). (Foto: ZDH/Robert Lorenz)

Am 18. Oktober 2022 fand wieder ein Parlamentarischer Abend der fünf Gesundheitshandwerke im Haus des Deutschen Handwerks in Berlin statt. Die Zentralfachverbände biha, BIV-OT, VDZI, ZVA und ZVOS nutzten ihn, um die Politik auf die aktuellen Bedarfe der Augenoptik, Hörakustik, Orthopädieschuhtechnik, Orthopädietechnik und Zahntechnik aufmerksam zu machen. 

Angesichts der dramatisch gestiegenen Kosten für Energie, Einkauf und Transport verdeutlichten die Gesundheitshandwerke eindringlich, dass jetzt der Zeitpunkt ist, um wohnortnahe und flächendeckende Versorgungsstrukturen durch schnelle und flexible Maßnahmen zu sichern. 
 
„Wir Gesundheitshandwerke sind mit unseren energieintensiven Maschinenparks und mobilen Diensten von den Preissteigerungen stark betroffen", erklärte Alf Reuter, Präsident des BIV-OT. "Doch keiner von uns kann die Preissteigerungen weiterreichen, weder an Kostenträger noch an Patientinnen und Patienten. Das gefährdet nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern die Existenz unserer Betriebe. Wir Gesundheitshandwerke brauchen als mittelständische Leistungserbringer Unterstützung.“
 
Einig waren sich die Teilnehmenden, dass die sozial- und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen Herausforderungen für Leistungserbringer und Krankenkassen mit sich bringen. 
 
Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), betonte angesichts steigender Ausgaben in unterschiedlichen Sozialversicherungszweigen: „Wir warnen die Bundesregierung eindringlich davor, die 40-Prozent-Grenze bei den Sozialbeiträgen zu überschreiten. Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland und trifft gerade das beschäftigungsintensive Handwerk besonders hart. Der Lohnkostenanteil unserer Betriebe im Handwerk beträgt bis zu 80 Prozent. Die Ampel-Parteien müssen sich endlich an die unumgänglichen grundsätzlichen Reformen unserer sozialen Sicherungssysteme machen.“
 

Ortwin Schulte vom Bundesgesundheitsministerium erläuterte daraufhin aktuelle Ansätze zu möglichen Entbürokratisierungsmaßnahmen: „Deutschland befindet sich in einer ernsten wirtschafts- und sozialpolitischen Lage. Das Bundesgesundheitsministerium nimmt Unterstützungsmaßnahmen für mittelständisch geprägte Leistungserbringer, darunter die Gesundheitshandwerke, sehr ernst. Im europäischen Vergleich tut kein Land so viel wie Deutschland! Wir stehen in der Diskussion, ob Entbürokratisierungsmaßnahmen zu einer finanziellen Entlastung des Gesundheitssystems beitragen können. Im Blick haben wir dabei auch medizinprodukterechtliche Anforderungen für Sonderanfertiger sowie weitere Maßnahmen aus den Leistungsbereichen Hilfsmittel und Zahnersatz.“

Dringend benötigte Ressourcen im Gesundheitssystem lassen sich aus Sicht der Gesundheitshandwerke mit unterschiedlichen Entbürokratisierungsmaßnahmen mobilisieren. So verdeutlichte Dominik Kruchen, Präsident des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen: „Dokumentation kostet Zeit und Zeit kostet Geld. Gerade das Thema der Klinischen Bewertungen für Sonderanfertiger stellt ohne erkennbaren Mehrwert für die Patienten eine unverhältnismäßige und nicht zielführende Belastung dar. Insbesondere dort, wo kein direkter Patientenkontakt besteht! Dort wäre eine Entbürokratisierung und Entlastung sinnvoll und würde auch Ressourcen bei den Gesundheitshandwerken freimachen.“ 
 
Mit dem Parlamentarischen Abend setzten sich die Gesundheitshandwerke in der Berliner Bundespolitik gemeinsam dafür ein, das hohe Versorgungsniveau in der wohnortnahen und flächendeckenden Leistungserbringung mit Hilfsmitteln und Zahnersatz auch künftig sicherzustellen.