18. Januar 2023

HDE lehnt neue Bildungsteilzeit ab und bewertet Ausbildungsgarantie differenziert

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Eine neue Bildungs(teil)zeit nach österreichischem Vorbild soll nach dem Willen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil künftig die existierenden Förderinstrumente zur Weiterbildung von Beschäftigten ergänzen. Der Referentenentwurf eines Weiterbildungsgesetzes des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sieht vor, dass Beschäftigte ihre Arbeit für bis zu ein Jahr zum Zweck einer Weiterbildung aussetzen beziehungsweise ihre aktuelle Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre zum Zweck einer Weiterbildung reduzieren können.

In dieser Zeit wird durch die Bundesagentur für Arbeit der Entgeltausfall in Höhe des Arbeitslosengeldes ersetzt, also 60 Prozent für Alleinstehende oder 67 Prozent mit Kind. Die Bildungs(teil)zeit soll Beschäftigte dabei unterstützen, ihre beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten eigenständig umzusetzen.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) bewertet die Instrumente für mehr Aus- und Weiterbildung, die im Referentenentwurf vorgeschlagen werden, überwiegend kritisch. Mit Blick auf den sich in allen Branchen zuspitzenden Arbeits- und Fachkräftemangel warnt der HDE, dass die Bildungs(teil)zeit unnötige Anreize für mehr Teilzeit setzen könne. 

„Wichtig ist, dass die Bildungsteilzeit nach dem Entwurf eine Vereinbarung mit dem Arbeitgeber voraussetzt. Dabei muss es bleiben, um eine organisatorische Überforderung von Arbeitgebern zu verhindern“, betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Außerdem sei es systemwidrig, dass die Finanzierung der Bildungs(teil)zeit ausschließlich über die Bundesagentur für Arbeit laufen solle. „Beitragssteigerungen in der Arbeitslosenversicherung sind hierfür nicht gerechtfertigt. Die Finanzierung muss wenn dann aus Steuermitteln erfolgen“, so Genth weiter. 

Auch die Schaffung einer sogenannten Ausbildungsgarantie ist aus Sicht des HDE aktuell nur schwer nachvollziehbar. Denn in der Praxis übersteige das Angebot an Ausbildungsplätzen die Anzahl an Bewerbern deutlich. Zudem werde die demografische Entwicklung die Problematik um unbesetzte Ausbildungsstellen zukünftig noch weiter verschärfen. So verzeichne die Bundesagentur für Arbeit bereits seit 2017 in ihrer Ausbildungsmarktstatistik einen Bewerberrückgang.

„Eine Ausbildungsgarantie in Form einer Ausweitung des bestehenden außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebotes macht aktuell keinen erkennbaren Sinn. Die betriebliche Ausbildung muss klar Vorrang haben, damit die Betriebe ihre angebotenen Stellen besetzen können“, betont Genth. Ziel müsse es sein, dass die berufliche Bildung gesamtgesellschaftlich endlich einen höheren Stellenwert erhalte und die guten Karrierechancen mit einer Ausbildung besonders im Einzelhandel noch deutlicher herausgestellt werden. Verschiedene zusätzliche Elemente, die sich hinter dem Begriff der Ausbildungsgarantie im Entwurf verbergen, begrüßt der HDE hingegen. Sinnvoll seien die angestrebte Flexibilisierung bei der Einstiegsqualifizierung sowie die Einführung eines Berufsorientierungspraktikums.