14. September 2011

„Gehen verstehen“: Kirsten Götz-Neumann begeisterte im zweitägigen Seminar

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Ein Symphyonieorchester klingt nur schön, wenn die unterschiedlichen Instrumente harmonisch zusammenspielen. Wenn eines seinen Einsatz verpasst oder nicht richtig spielt, erleben wir eine Dissonanz. Nicht viel anders verhält es sich mit dem menschlichen Gang, sagt Kirsten Götz-Neumann: Wenn das Zusammenspiel der Muskeln nicht funktioniert, wenn Muskeln ihren Einsatz im Gangzyklus verpassen beziehungsweise zu schwach oder zu stark arbeiten, ist das Gangbild gestört. Was das für die Menschen bezüglich Überlastungsschäden und Schmerzen bedeuten kann, hatte Kirsten Götz-Neumann lebhaft und anschaulich bei ihrem Vortrag am Freitagabend im Rahmen des Kongresses der 1. Orthopädie Schuh Technik in Wiesbaden vorgestellt. Im zweitägigen Seminar im Anschluss an den Kongress konnten 35 Teilnehmer mit Frau Götz-Neumann tiefer in die Analyse des menschlichen Ganges einsteigen.

Die Begeisterung, mit der Kirsten Götz- Neumann ihr Thema präsentierte, übertrug sich schnell auf die Teilnehmer, vor allem auch, weil die Referentin immer wieder zu praktischen Übungen animierte. Die Unterscheidung der einzelnen Phasen des menschlichen Ganges wurde selbst erprobt, um ein Gefühl zu bekommen, welche Muskeln in den unterschiedlichen Phasen aktiv sind. Sie sind die Grundlage für die Analyse und vor allem das Erkennen von Abweichungen. Die Teilnehmer durften aber auch am eigenen Leib erleben, was es zum Beispiel heißt, wenn man durch eine Spastik gezwungen ist, mit stark gebeugten Knien zu gehen.

Wie erkenne ich Gangabweichungen und wo kann die Ursache liegen? Mit den Antworten auf diese Frage verblüffte die Referentin die Teilnehmer ein ums andere Mal. Wo das nicht geschulte Auge bei den praktischen Übungen allenfalls kleine Auffälligkeiten bemerkte, schloss sie von der Abweichung gleich zu den möglichen muskulären Defiziten, sei es in der Kraft oder in der Koordination der Muskelaktivität. Der Aha-Effekt stellte sich bei den Teilnehmern dann bei der Analyse der Videoaufnahmen ein. Beeindruckend war auch, zu sehen, dass es manchmal schon genügt, wenn der Patient sich bewusst wird, wo sein Defizit liegt, um die Gangabweichung zu korrigieren, sprich, seine Muskeln wieder richtig und gezielt einzusetzen.

In zwei Tagen kann man nicht die komplette Bewegungsanalyse erlernen. Doch für die meisten hatte sich in diesen beiden Tagen der Blick auf den menschlichen Gang verändert. Besonders geschätzt wurde dabei, dass es mit der vorgestellten Analyse der Gangphasen eine Methode gibt, die nicht nur zur Ursachenforschung, sondern auch zur Kontrolle der eigenen Arbeit geeignet ist.

Ein ausführlicher Bericht folgt in der Novemberausgabe der Zeitschrift Orthopädieschuhtechnik.