23. November 2020

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Gerwin Limbach

Seit dem 1. Oktober 2020 ist das B-O-S-S in Langen/Hessen als ein Standort des neu konzipierten Kompetenzzentrums Orthopädieschuhtechnik am Start – in enger Zusammenarbeit mit den beiden Bildungszentren in Hannover und Siebenlehn. Das gemeinsame Ziel lautet: ein Leuchtturm für das Handwerk zu werden. 

„Wir sind startklar und hoch motiviert“, sagt Gerwin Limbach, Leiter des B-O-S-S in Langen. Foto: B-O-S-S

Bereits im Jahr 2003 wurde vom damaligen Arbeitsbereichsleiter im Bundesinstitut für Berufsbildung, Kurt Kielwein, der Begriff „Leuchtturm der Berufsbildungszentren“ geprägt. Kielwein erklärte, dass in den meisten Fällen überbetriebliche Berufsbildungsstätten durch Spezialisierung auf besondere Kompetenzbereiche eine „Leuchtturmfunktion“ übernehmen wollen. Das heißt: Von ihrem Standort aus wollen sie regionale, sektorale, fachübergreifende Aufgaben und Handlungsfelder abdecken. Kurt Kielwein zitierte dabei eine alte chinesische Weisheit: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen. Wir sollten Windmühlen bauen“. In diesem Sinne wollen auch wir in Langen verfahren. Die Kompetenzzentren des Handwerks sind nach den Richtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ausgewählte überbetriebliche Berufsbildungsstätten im Handwerk (ÜBS). Seit dem Jahre 1999 unterstützen das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die konsequente Weiterentwicklung der überbetrieblichen Berufsbildungsstätten im Handwerk (ÜBS) zu Kompetenzzentren. Diese geförderten Kompetenzzentren haben mehr als 70 Technologiefelder für das Handwerk erschlossen und den Betrieben damit neue Tätigkeitsfelder eröffnet. Dazu zählt nun auch die Orthopädieschuhtechnik.

Dem Start entgegengefiebert
Nachdem die Wartezeit des Ende 2016 eingereichten Förderantrags nun überstanden ist und alle Zuwendungsbescheide von Bund (BAFA) und Land (Wi-Bank) vorliegen, konnte das Projekt „KomZet OST“ am 1. Oktober 2020 starten. In Langen ist es gelungen, im Nachbargebäude geeignete Räumlichkeiten für die neu zu schaffenden Büros für das Kompetenzzentrum „Orthopädieschuh­technik – Schwerpunkt Management und Führung im Orthopädieschuhtechnik-Handwerk“ anzumieten. In die Infrastruktur wurde im ersten Quartal 2020 bereits eine Summe von 163 000 Euro für Maschinenpark, EDV, Beleuchtung, Klimatisierung und Bestuhlung mit Hilfe von Zuschüssen der BAFA und Wi-Bank investiert.

Das Personal
Seit dem Zeitpunkt der Grobkonzeption im Jahr 2014 bis hin zur Genehmigung gab es viele Verhandlungen im Auf und Ab der Gutachten, Nachreichungen und Änderungen. Für die Position des Projektmanagers konnten wir unseren Wunschkandidaten Christoph Schneller gewinnen. Ihm zur Seite steht Marion Limbach in Funktion der Projektassistenz.

Projektmanagement
Chistoph Schneller hat sein Amt am 1. Oktober 2020 angetreten. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellen. Direkt im Anschluss daran folgten 20 Monate Zivildienst und anschließend die Lehre zum Orthopädieschuhmacher. Im Jahr 2004 legte er seine Meisterprüfung im Orthopädieschuhmacherhandwerk ab. Anschließend erwarb er die Abschlüsse als Betriebswirt bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie. Darüber hinaus hatte er den Studiengang „Business Administration“ mit dem Abschluss Bachelor of Arts erfolgreich abgeschlossen. Seit 2011 führt Christoph Schneller einen eigenen Betrieb im Orthopädieschuhmacherhandwerk, den er von seinen Eltern übernehmen konnte. „In der Aufgabe des Projektmanagers sehe ich eine spannende Möglichkeit der Weiterentwicklung und auch eine neue persönliche Herausforderung für mich“, so Schneller.  

Ziele des ProjektmanagementsChristoph Schneller, selbst Orthopädieschuhmachermeister mit eigenem ­Betrieb, ist der Projektmanager am Standort Langen. Foto: B-O-S-S
Ziel ist es, den Standort in Langen zu sichern, zu modernisieren und Weichen für die Zukunft zu stellen. Unter anderem sollen in Langen folgende Projekte federführend umgesetzt werden:

  • Aufbau eines E-Learning-Systems (diese Aufgabe erfährt durch die Corona-Krise eine besondere Aktualität). Gerade in Bezug auf E-Learning und der Implementierung von neuem Wissen erhofft sich Christoph Schneller eine gut vernetzte Zusammenarbeit mit den Standorten Siebenlehn und Hannover.
  • Implementierung von neuem Wissen in die Fach­didak­tik, 
  • Aufbau und Umsetzung eines QM-Systems für die Branche,
  • Optimierung von Produktionsabläufen und ­Prozessen unter Berücksichtigung der Normung sowie
  • Entwicklung weiterer Projekte.

Zur praktischen Umsetzung sollen Kooperationen mit folgenden Partnern aufgebaut werden:

  • der Technischen Universität Darmstadt, 
  • dem Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW),
  • dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Darmstadt,
  • dem Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT,
  • dem Bundestechnologiezentrum Oldenburg,
  • dem Softwareentwickler Maxsyma in Zusammenarbeit mit Heil&Martz Unternehmensberatung,
  • sowie diversen, bundesweit tätigen Instituten. 

Neben seinem Fachwissen kann Schneller bei all diesen Themen auf seine pädagogischen Kenntnisse und Fähigkeiten als langjähriger freier Dozent und Mitglied des Meisterprüfungsausschusses der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main am Bildungszentrum Orthopädieschuhtechnik Südwest in Langen zurückgreifen.

ProjektassistenzMarion Limbach freut sich auf die neuen Herausforderungen, die sie als Projektassistentin beim Aufbau des KomZets in Langen erwarten. Foto: B-O-S-S
Zur administrativen Unterstützung des Projektmanagers (Sekretariats- und Verwaltungsaufgaben) wird eine halbe Stelle geschaffen. Schwerpunkt der Aufgaben liegen hier in der Vorbereitung und Mitwirkung bei Sitzungen und Veranstaltungen, Zusammenstellung von Dokumentationen, Datenverwaltung, Belegprüfung projektbezogener Vorgänge und Unterstützung der Marketingaktivitäten. Für diese Stelle als zukünftige Projektassistentin konnte Marion Limbach gewonnen werden. Sie ist gelernte Arzthelferin und seit mehr als 35 Jahren immer wieder in diesem Beruf tätig gewesen. Auch im Bereich Medizinprodukte-Beratung und Verkauf arbeitete sie vier Jahre. Marion Limbach assistiert bereits seit zirka drei Jahren der leitenden Podologin im B-O-S-S und unterstützt sie bei der Ausbildung  der Teilnehmenden in den laufenden Meisterkursen und überbetrieblichen Maßnahmen. Damit ist sie mit dem Schulbetrieb und den Mitarbeitern im B-O-S-S bestens vertraut. 

Projektkoordination für alle Standorte 
Als Projektkoordinator für alle Standorte des KomZet OST wurde Dipl.-Ing. Heinz Moering engagiert. Moering absolvierte nach drei Gesellenjahren im Handwerk das  Studium „Betriebstechnik und Ingenieurwissenschaften“ in Hildesheim und Rosenheim und leitete danach sechs Jahre einen mittelständischen Betrieb in Ostwestfalen. Danach ging er für neun Jahre nach Kiel und Berlin und leitete dort die Beratungsstellen für die Fachverbände Holz und Kunststoff. Von 1997 bis 2012 übernahm Moering die Leitung einer Berufsbildungsstätte in Hessen und baute von 2014 bis 2019 das Clustermanagement Holzbau Hessen in Kooperation mit dem Verband Hessischer Zimmermeister auf. Zu seinen bisherigen Aufgaben seines Berufslebens zählten unter anderem: 

  • der Aufbau von Netzwerken, Projektmanagement, Dipl.-Ing. Heinz Moering wird ab Januar 2021 das Amt als Projektkoordinator des gesamten KomZets an treten. Foto: Moering
  • die Planung und Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen in verschiedenen Bildungsstätten,
  • die Planung und Umsetzung von Kompetenzzentren (Holzwirtschaft),
  • der Aufbau eines Prüfinstituts für Bauelemente in Kooperation mit dem PTE Rosenheim,
  • der Aufbau einer Fachschule Technik Holzbearbeitung in Kooperation mit dem Kultusministerium Hessen,
  • die Entwicklung und Umsetzung eines dualen Studienganges zum Fertigungsprozess-Informatiker in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Bundesverband Modell- und Formenbau,
  • der Aufbau einer Technologietransferstelle,
  • die Planung und Koordinierung eines Projekts „Energiearme Werkstatt“ in Kooperation mit dem Umweltministerium Schleswig-Holstein, der LAWS Berlin, Prof. Heisel, Kiel, und der Gewerbeaufsicht Schleswig.

Ziele am Standort Langen
Oberste Priorität unseres Tuns und Handelns ist die Weiterentwicklung unserer Bildungseinrichtung B-O-S-S als Dienstleistungszentrum und scharfes Werkzeug für die Branche. Unsere Handlungsfelder werden dementsprechend ausgerichtet:

  1. Handlungsorientierte Lehr- und Lernarrangements, zum Beispiel Lernen an und im Kundenauftrag, 
  2. Kooperation und Netzwerkbildung nach innen, also mit anderen Organisationseinheiten in der Bildungsstätte, und nach außen mit anderen Kompetenzzentren, Bildungsstätten, Herstellern, Forschungseinrichtungen, Innungen und Fachverbänden,  
  3. Wissensmanagement und Lernen im Netz, zum Beispiel Aufbau von Wissensdatenbanken, e-Learning, IT-Plattform,  
  4. Organisations- und Personalentwicklung, unter anderem durch verstärkte Weiterbildung des Personals,  
  5. Qualitätsmanagement, z. B. Einführung von Bildungscontrolling und anderen Managementsystemen,  
  6. Monitoring, also Beobachtung technologischer Entwicklungen und Erarbeitung von Konzepten zur Früherkennung des Qualifikationsbedarfs,  
  7. Marketing, zum Beispiel Erfassen von Kundenwünschen und Zufriedenheit, zielgruppenorientierte Pflege des Kundenstamms, 
  8. Betriebsberatung und Technologietransfer,
  9. Entwicklung neuer Projekte und Einwerbung von Fördermitteln.

Für Fragen und Anregungen steht das Team in Langen gerne zur Verfügung. 

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