13. Juli 2020

Individuelle Versorgung mit Einlagen und Rollsitzen im Rudersport

Drucksensorik am Stemmbrett und auf dem Rollsitz im Ruderboot. Foto: Natrup
JÖRG NATRUP | ANNE JEUSFELD
 
Hohe Trainingsumfänge können zu Überlastungserscheinungen bei Rudersportlern führen, die insbesondere an den Kontaktstellen zum Boot auftreten (Rollsitz, Stemmbrett und Rudergriffe). Dabei kommt es mitunter zu Druckstellen an den Füßen, Sitzbeschwerden und Blasenbildungen an den Händen. Mit Hilfe der Druckverteilungsmessung können Belastungen an den betreffenden ­Körperregionen ermittelt und die Daten zur CAD-Konstruktion und CNC-Fertigung individueller ­Einlagen und Sitzschalen genutzt werden. Dies bietet ein großes Potenzial für die Reduzierung von Beschwerden und die Verbesserung der Leistungsfähigkeit, wie Vergleichsmessungen mit und ohne die jeweiligen Hilfsmittel zeigen.  
Neben den häufig betriebenen Sportarten wie Fußball, Laufen oder Radfahren erfreut sich der Rudersport in Deutschland einer großen Beliebtheit. Im Sportentwicklungsbericht 2015/16 liefert das Bundesinstitut für Sportwissenschaften aktuelle Zahlen, die dieses belegen. Demnach gibt es in Deutschland 481 Rudervereine, in denen über 80 000 Mitglieder aktiv sind (Breuer, 2017). Dabei erstreckt sich die Zielsetzung des Sporttreibens von eher freizeitlich orientierten Aktivitäten, wie sie sich beispielsweise im sogenannten Wanderrudern niederschlagen, über ambitionierte Amateur-Ruderer bis hin zu Spitzenathleten, die an nationalen und internationalen Meisterschaften teilnehmen. In allen Fällen ist der Rudersport sehr ausdauerorientiert und mit relativ hohen Trainingsumfängen verbunden. Das bedeutet, dass die Sportler über einen relativ langen Zeitraum in ihrem Boot sitzen, was sowohl beim Wanderrudern als auch für das Training von Top-Athleten zutrifft. Diese hohen Umfänge können dazu führen, dass es an den Kontaktstellen, an denen der Ruderer mit seinem Boot Verbindung hat, zu Überlastungserscheinungen kommt. Die drei Kontaktstellen beim Rudern sind der sogenannte Rollsitz, das sogenannte Stemmbrett, auf dem die Schuhe teilweise fest montiert sind, und schließlich die Rudergriffe. Nicht selten klagen Ruderer über Sitzbeschwerden, Druckstellen an den Füßen, sowohl plantar als auch dorsal, sowie über Blasenbildungen an den Handflächen. Des Weiteren können ungünstige, nicht-ergonomische Ausführungen der Komponenten Sitz, Stemmbrett/Schuhe und Griffe das Leistungsniveau einschränken, was insbesondere für Ruderer im Leistungsbereich von Interesse ist. Ungünstige Bedingungen an den Kontaktstellen können indirekt zur Verlangsamung oder zum Abbruch der Ruderleistung führen, da auftretende Beschwerden eine Fortführung auf konstantem Niveau verhindern. Durch eine schlechte Kraftübertragung in der Zug- und Druckphase am Stemmbrett kann es aber auch zu einer direkten Beeinträchtigung kommen, weil der Kontakt zwischen Fuß/Schuh und Stemmbrett nicht optimal aufeinander abgestimmt ist. Es gibt kaum individuelle Lösungen bei den genannten Komponenten eines Ruderbootes. Alle Ruderer nutzen im Wesentlichen die gleichen Griffe, ähnliche Sitze und teilweise sogar die gleichen Schuhe, die in den seltensten Fällen mit Einlagen ausgestattet sind. Erstaunlicherweise trifft dieses nicht nur für den Freizeit-Ruderer, sondern ebenfalls für Leistungssportler zu. Da somit ein sehr großes Potenzial sowohl für die Reduzierung von Beschwerden als auch für die Verbesserung der Leistungsfähigkeit vorhanden ist, ist es das Ziel des vorliegenden Artikels, die Analyse- und Umsetzungsmöglichkeiten für individuelle Anpassungen in Ruderbooten zu präsentieren. Zu diesem Zweck werden im Folgenden die Messmethoden zur Ermittlung der Bedingungen am Sitz und im Schuh, die Methoden der Konstruktion und Fertigung von individuellen Einlagen und Sitzen sowie der Vergleich der Bedingungen mit und ohne Hilfsmittel vorgestellt.
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